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  Der Weihnachtsengel by Hexe
 
Der Weihnachtsengel
In den angrenzenden Büroräumen war lange das Licht erloschen. Nur in dem kleinen Kabuff des Commanders leuchtete noch matt die Schreibtischfunzel und hüllte den Raum in ein einsames Licht. Steve McGarrett saß  an seinem Schreibtisch. Den Kopf auf eine Hand gestützt, die Stirn gerunzelt, klickte er wahllos durch irgendwelche Seiten auf seinem Laptop.
Auch seine Arbeit war längst erledigt. Der Fall, der so kurz vor Weihnachten noch alle in Aufruhr versetzt hatte, war gelöst und zu den Akten gelegt.
Seit einiger Zeit hätte auch er sich schon auf dem Heimweg befinden können, aber besonders heute trieb ihn nichts und niemand nach Hause.
Heute war Weihnachten und wenn alle anderen sich freudig erregt in die letzten Vorbereitungen gestürzt hatten, um dann pünktlich daheim zu sein, war ihm das alles ziemlich egal.
Wieder ein Mal würde er Weihnachten allein verbringen. Weihnachten, das Fest der Freude und Familie war für ihn schon seit Jahren ein Tag der Bedeutungslosigkeit. Er würde wieder zu viel trinken, gegen aufkommende Depressionen ankämpfen und sich wie jedes Jahr an diesem Tag die gleichen Fragen stellen.
Warum schaffte er es einfach nicht, eine Familie zu gründen? Ein Frau zu finden, die ihn mit all seinen Macken liebt und die ihm ein kleines Rudel Kinder schenkt?
Normalerweise neigte er nicht zu Gefühlsduseleien dieser Art, aber Weihnachten erwischten sie ihn jedes Jahr kalt.
Er hatte die Affären satt, mit Frauen die vorgaben ihn zu lieben, bei seinem ersten Einsatz mitten in der Nacht aber sein Bett für immer verließen.
Er hatte es satt, sich ständig Mahlzeiten unterwegs zu besorgen oder gleich ganz auszulassen. Die Küche, die er sich in seinem Haus hat einbauen lassen, war nahezu unbenutzt.
Er hatte es auch satt, daheim nur Zwiesprache mit sich selbst zu halten. Während der Arbeit hatte er genug Ansprechpartner, besonders Danno war ein Freund und Vertrauter geworden. Aber wenn er daheim vor dem Fernseher saß, hörte niemand zu, was er vom Tag zu berichten hatte.
 
Danno war schon seit gestern verschwunden. Nur seine Ohren hinderten ihn daran, im Kreis zu grinsen, als er erzählte wie seine Feiertage mit Grace geplant waren. Steve war mit ihm einkaufen und schleppte unzählige kleine und große Geschenke für Dannos Äffchen in das Auto. Er selbst hatte eine kleine silberne Kette mit einem bunten Schmetterling beigesteuert. Auf die Schachtel hatte er – Von Onkel Steve – geschrieben. Warum kaufte er keine Geschenke ein, auf die er – Von Daddy – schreiben würde?
Chin hatte sich als nächster verabschiedet. Auch er strahlte vor Glückseligkeit, auch er hatte ein geschmücktes Heim und eine tolle Familie.
Kono grinste ihn vielsagend an, sie würde natürlich auch nicht allein feiern.
Irgendetwas lief in seinem Leben falsch.
Gedankenverloren schaltete er den Laptop aus und löschte das Licht.
Sein Weg nach Hause verlief schnell und reibungslos, auf den Straßen war nicht viel los. Als er an seinem kleinen Imbiss hielt, um sich für den Rest des Abends zu versorgen, musste er nicht einmal nach einem Parkplatz suchen.
Ausgerüstet mit einem langweiligen Reisgericht und einer Flasche Whisky erreichte er kurz darauf sein Haus. Dass es das einzige Haus war, welches unbeleuchtet und schmucklos war, versuchte er gekonnt zu ignorieren.
 
Der erste Schluck der braunen Flüssigkeit brannte bereits in seinem Hals. Wirklich Gefallen fand er an diesem Getränk nicht, aber eine wohlige Wärme machte sich in seinem Inneren breit. Nachdem er ein wenig von seinem „Weihnachtsmenü“ probiert hatte, landete dieses  ohne Umwege im Mülleimer. Der Koch befand sich wohl schon im Urlaub. Dann doch lieber noch einen Schluck vom Tee-Ersatzgetränk.
Müde, unzufrieden und bereits das dritte Glas leerend, sank er auf seinen Fernsehsessel. Ein langweiliger Film wäre jetzt Ablenkung, aber wo war die Fernbedienung?
Er brauchte hier dringend einen Engel, der ihm in solchen und anderen Situationen zur Seite stand.
 
Das Klingeln an seiner Tür ließ ihn erschreckt hochfahren. Wer zum Teufel verbringt um diese Zeit Zeit damit, bei ihm vor der Tür zu stehen? Seine Freunde würden es nicht sein, die hatten alle Besseres zu tun. Sicher war es irgendeine Wohltätigkeitsinstitution, die die Weihnachtszeit nutzte, um größere Spenden einzusammeln. Er wollte nicht öffnen, trank lieber noch einen Schluck und versuchte den andauernden Lärm zu ignorieren.
Nachdem das Klingeln immer energischer wurde und der Besucher wohl nicht vorhatte, heute noch damit aufzuhören, schlurfte er genervt zur Tür.
 
Was er sah, ließ ihn zusammenzucken, die Luft anhalten und im Gedanken abspulen, in welchem Aufzug er hier am Hauseingang stand. Oh Schreck, er und sein Anblick waren eine Zumutung!
„Du hast mich gerufen und da bin ich!“, nahm er ihre süße Stimme wahr.
„Bist Du … habe ich wirklich … aber woher …?“ stammelte er wie ein Vollidiot.
„Du hast dir doch gerade eben gewünscht, dass ich zu dir komme und jetzt, da ich hier bin, lass mich bitte nicht länger vor deiner Tür stehen.“ Ihre Stimme bescherte ihm eine Gänsehaut und fegte sein Gehirn leer. Trotzdem schafft er es irgendwie, einen Schritt zur Seite zu gehen, worauf sie lautlos sein Haus betrat.
Da stand sie vor ihm. Ein Engel! Wunderschöne blaue Augen und ein herrlicher roter Mund zierten ihr Gesicht, blonde unendlich lange Haare umrahmten dieses und reichten bis weit über den Rücken. Bekleidet war sie mit einem Hauch von einem Nichts, welches zu seiner Freude schon weit über dem Knie endete.
„Ich bin übrigens Lacy“, hauchte sie ihm zu und nahm den völlig verdutzen Commander in den Arm.
Nachdem einige Sekunden verstrichen, in denen er ein unbeschreibliches und unbekanntes Wohlgefühl verspürte, hob auch er seine Arme und legte sie vorsichtig um die engelsgleiche Person. Wärme, Glück und Freude durchflutete seine Adern.
„Was tust du hier?“, fragte er, nachdem er endlich seine Stimme wiedergefunden hatte.
„Gerufen hast du mich ja wegen dieser albernen Fernbedienung, aber ich würde dir gern auch für andere Dinge zur Verfügung stehen“, säuselte sie mit dieser Stimme, die ihn fast irre machte.
„Du bist wirklich ein Engel?“, wagte er zu fragen. „Es gibt keine Engel!“ Seine Stirn zog sich in Falten. „Ich bin ein Ex-Seal, habe schon alles gesehen, was es zwischen Himmel und Hölle gibt, aber ein Engel war nicht dabei.“
„Du siehst doch, dass ich hier bin! Du kannst mich fühlen, wenn du möchtest.“

Einem Gedankenblitz folgend wurde ihm bewusst, an wen sie ihn erinnerte. Lacy war seiner neuen Nachbarin wie aus dem Gesicht geschnitten. Diese wohnte erst seit drei Wochen in seiner unmittelbaren Nähe, aber nachdem das erste Kennenlernen von einem Streit überschattet wurde, herrschte Funkstille. Diese kleine Furie hatte doch tatsächlich am Tag ihres Einzugs …
Weiter kam er mit seinen Erinnerungen nicht. Der Engel, der inzwischen mitten in seinem Wohnzimmer stand, runzelte die Stirn, schaute sich in seinem Chaos um und schüttelte leicht den Kopf.
Steve senkte peinlich berührt den Kopf, ihm war durchaus klar, in welchem Zustand sich sein Heim befand. Seine Gedanken kreisten. In Windes Eile aufräumen schied aus, dazu war das Durcheinander zu groß. In ein anders Zimmer zu wechseln, war auch keine gute Idee, sein ganzes Haus befand sich gerade in einem desolaten Zustand. Tja, er musste sich der Situation stellen, schließlich hatte er ja keinen Besuch eingeladen.
„Warum so nachdenklich, Steve?“ Oh Gott, wie sie seinen Namen aussprach! Eine Gänsehaut jagte über seine Haut und schon wieder spürte er sein Herz bis zum Hals schlagen.
Langsam kam sie auf ihn zu, hob mit einer sanften Berührung seinen Kopf. Und schon wieder zuckte er zusammen. Nicht etwa wegen der streichelzarten Finger, die noch immer an seinem Kinn  ruhten. Er traute seinen Augen nicht! Sein Wohnzimmer war penibel aufgeräumt, alles stand oder lag an seinem Platz. Kerzen flackerten auf allen Regalen, Tischen und Schränkchen. Leise Klänge einer himmlischen Musik erfüllten den Raum.
Und Lacy stand immer noch vor ihm!
Er fühlte sich wirklich wie ein Volltrottel und genauso dümmlich war auch sein Grinsen.
„Hast das du gerade alles gemacht?“, fragte er und zeigte mit einer Hand ausladend auf sein Wohnzimmer.
„Ich habe dir doch gesagt, ich stehe auch für andere Dinge, außer für das Suchen von Fernbedienungen zur Verfügung. Also habe ich mal hiermit angefangen.“ Auch sie zeigte jetzt auf das Zimmer.
„Danke!“, raunte er bewegt. „Das hat noch nie jemand für mich getan.“
„Dann wurde es Zeit!“, flüsterte sie. „Ich beobachte dich schon eine Weile und warte schon lange darauf, dass ich dir helfen darf. Zum Glück hast du mich heute endlich gerufen.“
Wieder trat sie nah an ihn heran und augenblicklich knisterte nicht nur das Feuer im Kamin.
„Steve! Auch ich bin allein, bitte nimm mich endlich in den Arm“, forderte sie ihn sinnlich auf.
Zu gern kam er dieser Bitte nach. Oh, wie sie sich anfühlte, wie sie duftete, wie unglaublich gut sie in seine Arme passte. Sie war wie geschaffen für ihn.
Ihre Hände schlossen sich um seinen Nacken und als er ihr in die Augen schauen wollte hauchte sie einen Kuss auf seine Lippen. Er war so unendlich zart, so samtweich, so unbeschreiblich, Steve hatte das Gefühl, welches ihn gerade durchströmte, noch nie erlebt. Zu gern hätte er seiner aufkommenden Leidenschaft nachgegeben, aber Lacy war ein Engel. Wie würde sie reagieren?
Sie drehte sich in seinem Arm, ergriff seine Hand und zog ihn mit sich auf das Sofa.
„Erzähl mir von dir und deinem Leben“, forderte sie ihn auf. Seine Hand streichelnd, saß sie so dicht neben ihm, dass sich ihre Körper wie einer anfühlten.
Viel lieber hätte Steve jetzt ganz andere Dinge mit ihr getan, aber es reizte ihn auch, einfach nur zu reden. Er ließ sich fallen, genoss die liebkosenden Hände und erzählte ihr, was ihm im Kopf herumging. Es tat so gut. Keine Frotzeleien, wie er sie von Danno gewöhnt war, keine Stille, wie er sie sonst immer daheim erlebte. Er durfte über alles sprechen, lachte, weinte, schwieg und antwortet auf Fragen. Dabei genoss er die Zärtlichkeiten, mit denen sie ihn gleichzeitig verwöhnte. Er strich über die weiche Haut ihrer Oberschenkel und als er sie fragte, ob sich das auch für sie gut anfühlt, antwortete sie mit einem leidenschaftlichen Kuss. Ihre Lippen pressten sich auf seine und ihre kleine süße Zunge bat um Einlass.
„Steve, ich empfinde genauso wie du. Ich bestehe nicht aus Luft und ich bin nicht zerbrechlich“, beantwortete sie seine unausgesprochenen Frage, als sich ihr Münder kurz trennten.
Kam das einer Aufforderung gleich? Steve verzehrte sich nach ihrer Leidenschaft, sehnte sich nach Liebe und nach Berührung. Er wagte den Schritt, zog sie eng an sich und schlang seine Arme fest um ihren Körper. Einen Moment schaute er tief in ihre unergründlichen Augen, um sich dann wieder unendlich langsam mit seinen Lippen den ihren zu nähern.
Dieser Kuss war ganz anders. War der erste noch vorsichtig und tastend, glühten jetzt Hunger, Begierde und Sehnsucht in der Verbindung ihrer Lippen. Die Zungen wirbelten in einem wilden Tanz und ihre Körper pressten sich voller Hingabe aneinander. Wie lange hatte er schon nicht mehr so gefühlt? Hatte er überhaupt jemals in seinem Leben so ein inniges Gefühl erlebt?
„Steve, bitte schlaf mit mir.“
Hatte sie das jetzt wirklich gesagt? Fragend schaute er in ihre glühenden Augen.
„Ja, bitte schlaf mit mir!“, wiederholte sie ihre Aufforderung.
„Lacy, wir kennen uns nicht und …“
„Pssst!“, legte sie einen Finger auf seine Lippen und verschloss damit seinen Mund.
Der Kuss, den sie folgen ließ, machte all seine Unsicherheit zu Nichte.
Voller Leidenschaft, aber auch zärtlich und mit liebevoller Hingabe, entkleideten sie sich gegenseitig, bis sie sich völlig nackt gegenüber standen. Ohne Scheu betrachtet Steve diese wunderschöne Frau, das engelsgleiche Wesen, das Abbild der Liebe.
Ohne Hast liebten sie sich, genossen die Zweisamkeit und verwöhnten sich gegenseitig. Nachdem sie eng aneinander gekuschelt eindämmerten und wieder erwachten, liebten sie sich erneut. Sie schenkten sich so viel Zärtlichkeit und Liebe, es fühlte sich an, wie noch nie in seinem Leben.
Er konnte nicht genau sagen, wie die Nacht weiterging, aber irgendwann waren sie beide eingeschlafen.
 
„Ich muss jetzt leider gehen Liebling!“, hauchte sie an seinem Ohr und ehe er sie festhalten konnte, verschwand sie mit einem hellen Aufleuchten aus seiner Umarmung.
Sie war fort und augenblicklich wurde ihm kalt. Was blieb, war das viel zu helle, grelle Licht. Vergeblich versuchte er es wegzublinzeln, aber es gelang ihm nicht. Außerdem drängte sich ein störendes Geräusch in sein Gehirn. Weg damit! Obwohl er dagegen ankämpfte, wurde es immer lauter.
„Steve, Alter! Mach die Augen auf, oder lebst du nicht mehr?“ War das Danno? Was zum Henker macht der hier und vor allem, warum so laut?
„Holla die Waldfee, da hat ja einer so richtig Weihnachten gefeiert. Ich dachte, du bist allein? Hätte ich gewusst, dass hier die Post abgeht, wäre meine Anstandsbesuch ausgefallen.“
Konnte Danno nicht endlich seinen Monolog einstellen? Steve drehte sich auf den Bauch und zog ein Kissen über seinen Kopf.
„Genau, deck dich zu. Dein Anblick verrät deine Träume, bitte verschone mich damit! Und ehe ich wieder verschwinde, wer ist eigentlich Lacy?“
Die Erwähnung ihres Namens ließ ihn vom Sofa hochfahren.
„Lacy?“, krähte er leicht hysterisch. „Woher weißt du von Lacy?“ Erst jetzt bemerkte er, dass er völlig nackt vor Danno stand. Nervös zerrte er die herumliegende Boxershort über seinen Hintern.
Dabei kreiste sein Blick unauffällig durch den Raum. Träumte er immer noch? Sein Wohnzimmer war noch immer aufgeräumt, alles blitzte und die Reste der Kerzen verströmten noch diesen angenehmen Vanilleduft. Nur das Sofa, die Kissen und Decken waren reichlich zerwühlt. Unruhig strich er sich zum wiederholten Mal durch das Haar.
„Ähmm, Danno …“ Mehr fiel ihm nicht ein. Wie sollte er das hier alles erklären?
„Immer die Ruhe Großer, ich will ja gar nichts wissen. Obwohl … neugierig wäre ich schon“, grinste Danno auffordernd.
„Woher weißt du von Lacy?“, wiederholte Steve seine Frage, denn das war das Einzige, was ihn im Moment wirklich interessierte.
„Naja“, stammelte nun Danno etwas verlegen. „Gesehen habe ich sie ja leider nicht mehr, aber da liegt dieses Blatt auf dem Tisch. Es drängte sich förmlich in meine Argusaugen.“
Ein Blatt auf dem Tisch? Mit weichen Knien ging Steve die wenigen Schritte, nahm das Papier in die Hand und setzte sich in seinem Fernsehsessel. Hier hatte ja irgendwie alles begonnen…
 
Steve, es war wunderschön bei dir und vor allem mit dir! Danke, dass du mich gerufen hast.
Ich hoffe, du wiederholst das bald, denn ich möchte nicht nur dein Weihnachtsengel sein.
Lacy

by Hexe





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