Alex O`Loughlin German FanClub
  Die Entscheidung by Hexe
 
Die Entscheidung by Hexe

In genau vier Tagen und ca. 12 Stunden würde ich IHN wiedersehen.

Und es würde ein Spiel mit dem Feuer werden.
 
Mit einem lauten „Diese Idioten!" flog das Telefon über den Tisch. Zu sehr war ich in meine Recherche vertieft, als dass ich auf seinen freien Flug über die Tischkante reagieren konnte. Erst das entnervte Stöhnen von Ben holte mich in die Realität zurück.
Ich löste mich von dem Foto, welches ich gerade anstarrte, klappte meinen Laptop zu und widmete mich meinem Mann.
„Wo warst Du denn unterwegs? Du siehst ja aus, als hättest Du gerade einen Engel gesehen!", grinste er mich an und zog mich in seine Arme.
Nur er konnte so schnell in seiner Gefühlswelt hin und her pendeln. Eben war er noch stocksauer und jetzt lächeltet er mich zuckersüß an und gab mir einen flüchtigen Kuss.
Ben - groß, blond, mit braunen Augen und einer sportlichen Figur war und ist seit nunmehr sieben Jahren mein Mann.
Wir hatten uns in der Firma kennengelernt, für ihn war es Liebe auf den ersten Blick, wie er immer wieder gern vom Besten gab, für mich war es ein Gefühl, welches nur langsam wuchs. Irgendwann hatte ich seinem Drängen nachgegeben und hatte Ja gesagt zu seinem romantischen Antrag.
Inzwischen war ich sicher, dass ich ihn ebenso liebte, wie er mich. Es waren die vielen Gesten, die Sicherheit, die er mir gab, seine verrückten Ideen und die Tatsache, dass wir ein unschlagbares Team in der Arbeit waren, die meine stillen Zweifel an die große Liebe weggewischt hatten.
Wir waren wirklich ein unschlagbares Team, verstanden uns wortlos, redeten, wenn es sein sollte, schwiegen, wenn es angebracht war und auch körperlich war da immer noch diese gewisse Anziehung vorhanden.
Einzig unser unerfüllter Kinderwunsch brachte diese Harmonie die ersten Jahre immer wieder ins Schwanken. Wir wünschten uns beide mindestens zwei Kinder, aber seit sieben Jahren passierte nichts. Anfangs gab es noch diese Arztbesuche und die Termine in Beratungsstellen, aber inzwischen wurde diese Frage nicht mehr berührt. Jeder von uns hatte wohl auf seine Art und Weise mit diesem Thema abgeschlossen.
Noch in der innigen Umarmung schlich sich wieder der Gedanke an IHN. Ich würde ihn wiedersehen, Alexander O'Lachlan - Alex O'Loughlin, wie er sich heute nennt – meine erste große Liebe und der Mann, der meine heimlichen Gedanken nie ganz verlassen hat.
Mit einem fröhlichen „Träum weiter! Ich muss telefonieren", entließ mich Ben aus seiner Umarmung und augenblicklich fühlte ich Kälte auf meiner Haut.
Ja, ich kenne Alex wirklich persönlich!
Vor inzwischen 18 Jahren war ich als Austauschschülerin für ein Jahr in Australien. Meine Gastfamilie wohnte in der unmittelbaren Nachbarschaft der Wohngemeinschaft, in der Alex lebte. Seine Mutter war eine Schulfreundin meiner Gastmutter und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich Alex kennenlernte. Er war mir natürlich gleich aufgefallen, denn er verkörperte alles, was ich mit meinen 17 Jahren an einem Mann toll fand.
Alles an ihm fand ich einfach unübertrefflich, aber am meisten hatten es mir seine Augen angetan. Wenn er mich anlächelte, wurde mein Bauch Landeplatz für eintausend Ameisen.
Näher kamen wir uns recht schnell, als ich ihn in dem Theater-Workshop traf, den ich durch die Schule belegte. Wir mussten eine Liebesszene darstellen und bemerkten dabei beide, dass uns das Küssen nicht nur auf der Bühne gefiel.
Ab diesem Moment waren wir unzertrennlich, Alex der Rebell und ich, das Mauerblümchen aus Germany. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und auch wenn es niemand verstand, glaubten wir, wir wären das perfekte Paar.
Wir machten gemeinsam Musik, spielten dramatische Szenen im Workshop, zelteten tagelang in der Wildnis, verliefen uns immer wieder bei unseren Wanderungen, stritten und versöhnten uns.
Es war der Sommer meines Lebens!
„Schatz, es wird wirklich nichts, Du musst allein vorneweg fliegen", riss mich Ben aus meiner Tagträumerei.
Unsere Firma hatte einen großen Fisch an der Angel und wir beide sollten nach Honolulu fliegen, um das Geschäft vor Ort zu verhandeln. Da die Verhandlungen sich nur über zwei Tage erstrecken würden und wir seit eineinhalb Jahren keinen gemeinsamen Urlaub hatten, hatte Ben eine Verlängerungswoche für uns ausgehandelt.
Eine Woche Strand, Meer, Ruhe und gutes Essen, wie sehr freuten wir uns darauf!
Aber es war wieder einmal alles nicht so einfach, wie es schien. Ben hatte noch ein weiteres Projekt zu bearbeiten und da es immer noch nicht zum Abschluss gekommen war, musste er wohl oder übel seinen Flug mit mir nach Hawaii verschieben. Das versuchte er nun lautstark seit einer Stunde der Dame der Airline klarzumachen.
Am Ende der ewig dauernden Diskussion sah es nun so aus, dass ich morgen allein nach Honolulu fliegen würde und Ben dann vier Tage später nachzukommen plante.
Er legte seinen Arm um meine Hüfte, zog mich an sich und erklärte mir die Vor-und Nachteile dieser Aktion, wie er sich die Sache vorstellte, an was ich denken sollte und vor allem, wie sehr er sich auf unseren Urlaub freute.
Ich folgte seinen Gedanken nur halbherzig und mit einem Ohr, denn in diesem Moment wurde mir eines klar – Ich würde IHN allein treffen!
Alex hat mein Leben und mein Herz nie ganz verlassen. Natürlich versprachen wir uns am Ende meines Australien-Jahrs ewige Treue und zu dieser Zeit meinten wir das auch so. Er war meine erste große Liebe und ich glaubte das auch für ihn zu sein.
Wir waren aber wohl doch zu jung, für die Schwierigkeiten, die auf uns zu kamen. Meine Eltern waren wenig davon begeistert, dass ich auf der Stelle nach Australien auswandern wollte und auch bei Alex ging das Leben weiter.
Dass er Vater wird, habe ich dann schon nur noch von seiner Mutter erfahren, mit der ich immer noch regelmäßigen E-Mail-Kontakt pflegte. Der Kontakt zu Alex war abgebrochen und so schmerzlich es auch war, ich begriff, dass es wohl doch nur eine Sommerliebe war und bleiben würde.
Trotzdem habe ich ihn immer heimlich durch die Möglichkeiten der Medien verfolgt. Ich war unendlich stolz und glücklich, dass ich ihn, Mick, Andy und Steve persönlich kannte, ja sogar sehr gut kannte! Nachdem er in diese Welt eingetaucht war, traute ich mich nicht mehr, meinen Freundinnen oder Ben davon zu erzählen, dass ich vor langer Zeit ein Jahr mit ihm verbracht hatte.
So blieb es das Geheimnis, das mein Herz erwärmte. Immer wieder verfolgte ich seine persönlichen, Höhen und Tiefen, litt und freute mich mit ihm, speicherte einige besonders schöne Fotos auf meinem Laptop und versteckte akribisch alle DVD's, die ich natürlich besaß.
Zwei schlaflose Nächte verbrachte ich, nachdem mir klar wurde, dass wir nach Hawaii fliegen würden. Nach Honolulu, in die Stadt, in der Alex heute lebt.
Sollte ich versuchen ein Treffen zu arrangieren oder sollte ich lieber die Finger davon lassen? Zu gern würde ich ihn wiedersehen und in alten Erinnerungen stöbern. Aber durfte ich das? Ich war glücklich mit Ben, und Alex hat eine Beziehung mit einer Insel-Schönheit. Wollte ich da wirklich in alten Wunden oder Wespennestern stochern?
Ich wollte! Die Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen, aber ich würde Ben einweihen und ihm anbieten, mich zu dem Treffen zu begleiten. Wie ich ihn kannte, würde er dankend und grinsend ablehnen, mir einen schönen Abend wünschen und sich mit einem Bier und der Fußballzeitung vor dem Fernseher verkriechen.
Alex's private E-Mail-Adresse hatte ich sehr schnell von seiner Mutter bekommen. Wir haben uns nie aus den Augen verloren und wenn die Abstände zwischen unseren Mails auch oft sehr lang waren, brach der Kontakt nie ganz ab. Ich hatte immer das Gefühl, sie hätte mich gern in ihrer Familie gehabt.
Meine Mail an Alex war sehr kurz. Ich wollte ihn nicht bedrängen oder ihm viel von mir schreiben. Es sollte seine spontane Entscheidung sein, ob er mich treffen möchte oder nicht.
Haben uns 18 Jahre nicht gesehen! Möchtest Du wissen, ob Du mich wiedererkennst? Bin am Freitag um 19.30 Uhr im Hotel Halekulani. Warte dort eine halbe Stunde auf Dich.
Ana
P.S. Antworte nicht.
Eine wirkliche Antwort kam auch nicht, aber ich erhielt sechs Stunden später eine Mail aus Honolulu mit nur einem lachenden Smiley.
Mir rutschte fast das Herz in die Socken. Was bis jetzt nur ein Spiel war, an welches ich ehrlich gesagt selbst nicht geglaubt hatte, wurde mit diesem einen Smiley urplötzlich Realität.

Am nächsten Morgen klingelte sehr früh der Wecker.

Schnell war ich geduscht und soweit fertig, dass Ben mich noch zum Flughafen fahren konnte, ehe sein erster Termin in der Firma anstand.

Die letzte Nacht war kurz, obwohl wir zeitig im Bett waren. Ben verabschiedete sich auf eine Weise von mir, dass mich das Gefühl beschlich, er würde Abschied für immer nehmen.
„Es sind doch nur vier Tage", flüsterte ich ihm ins Ohr, als seine Hand zum wiederholten Mal unter meiner Decke verschwand und sich auf äußert prickelnde Weise auf die Suche nach einem ganz bestimmten Ziel machte. Ich liebte unserer Zweisamkeit und genoss es verwöhnt zu werden, obwohl ich inzwischen doch lieber geschlafen hätte. Wusste ich doch genau, wann der Wecker klingeln würde.
Am Flughafen nahm er mich in den Arm, gab mir einen kurzen aber heftigen Kuss und murmelte „Bleib brav!".
Diese Floskel benutze er immer, wenn er sich von mir verabschiedete, dieses Mal zuckte ich trotzdem kurz zusammen und überlegte, ob er vielleicht meinem Gehirn einen Besuch abgestattet, oder ich im Schlaf geredet hätte.
Endlich, mir kam es vor wie Jahre später, landete ich in Honolulu. Obwohl ich endlos müde, geschafft und genervt von meinem Sitznachbarn war, hatte ich schon den Landeanflug auf die Insel genossen.
Ich war schon viel in der Welt unterwegs gewesen und mein Jahr in Australien hatte unendlich viele bleibende Eindrücke hinterlassen, aber diese Insel zog mich sofort in ihren Bann.
Ich kann gar nicht sagen, ob es die Farben der Natur waren, das Blau des Meeres, der Geruch oder die Menschen - binnen einer Stunde hatte ich mich in dieses Fleckchen Erde verliebt.
Hier war es noch Vormittag, was mir ziemlich zu schaffen machte, denn ich hatte das Gefühl, ich würde die Fahrt zum Hotel nicht im wachen Zustand überleben, aber das Ziel war doch schnell erreicht.
Ich checkte ein und schickte einen dankbaren Gedanken an Ben über den halben Erdball.
Mein, bzw. unser Zimmer war ein Traum. Es war groß geräumig, gemütlich und erfüllte alle heimlichen Wünsche einer Frau. Das riesige Bad, das große Bett und die gemütliche Sitzecke waren einfach wundervoll, aber unglaublich war der Blick aus dem Panoramafenster. Stillschweigend starrte ich auf das türkisblaue Meer und den endlosen weißen Strand, der gleich unterhalb meines Fensters begann. Anmutig bewegten sich große Palmen im leichten Wind und ich überlegte kurz, ob das hier wirklich der Wahrheit entsprach, oder meiner Phantasie entsprang. Ben hatte bei der Buchung ganze Arbeit geleistet.
Irgendwann erwachte ich trotzdem aus meiner Starre, mir fiel ein, dass mich hier zwei Dinge erwarteten.
Erstens musste ich frisch und ausgeruht meinen Job erledigen und zweitens ... ein Kribbel beschlich mich. Morgen Abend würde ich Alex treffen. Inzwischen war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Was wäre wenn, warum und überhaupt?
Ich hatte auch nicht wie geplant Ben eingeweiht. Nachdem er eh nicht hier war, wollte ich ihn nicht beunruhigen.
Wollte ich ihn nicht beunruhigen oder wollte ich einfach dieses Geheimnis für mich behalten? Wollte ich? Was wollte ich eigentlich?
Zweifel befielen mich und das Kribbeln in meinem Bauch nahm gefährliche Dimensionen an.
Im Moment schob ich aber erst einmal alle Gedanken beiseite, packte meinen Koffer aus, duschte lang und ausgiebig, um mich dann für wenigstens drei Stunden auf dem gemütlichen Bett breit zu machen.
Am späten Nachmittag hatte ich den ersten Termin mit unserem Verhandlungspartner und es war mein Ziel, ihm nicht wie eine unausgeschlafene Vogelscheuch unter die Augen zu treten.
Schneller als erwartet, war der nächste Abend in greifbare Nähe gerückt.
Die Verhandlungen verliefen äußert erfolgreich und ich war ein wenig stolz, dass ich so gut hinbekommen hatte.
Ben hatte ich wegen der Zeitverschiebung nicht erreicht, auch auf meine kurze Mail gestern hatte er noch nicht geantwortet. Darüber nachzudenken erlaubte mir meine Aufregung nicht.
Die nächste Stunde verbrachte ich damit, zu grübeln, welches Outfits wohl das passende für diese Begegnung wäre. Natürlich wollte ich gut aussehen, vielleicht auch sehr gut. Aber ich wollte nicht aufdringlich, nicht alltäglich und auch nicht zu sexy aussehen. Nach einer langen Dusche, die leider nicht die gewünschte Entspannung brachte, entschied ich mich für ein enges, nicht zu kurzes dunkelrotes Kleid. Etwas dezentes Makeup und schon war ich fertig, eine Stunde zu früh, wie ich genervt feststellen musste.
Das Dauergrummeln in meinem Magen nahm wieder zu und all die Fragen, die seit gestern wie der Abspann eines Films ständig vor mir auftauchten, ließen sich nicht abstellen. Mit großen Buchstaben stand da immer wieder – Ana, ist das richtig, was Du hier tust?
Ich war schon drauf und dran, das Treffen einfach abzusagen, bzw. einfach nicht unten in der Lobby zu erscheinen, als laut und energisch mein Zimmertelefon klingelte.
Mit freundlicher Stimme wurde ich gefragt, ob ich Besuch erwarte und wenn es so wäre, der Besuch sei schon da und warte auf mich.
Die Entscheidung wurde mir also damit abgenommen.
Mit zitternden Knien und akuter Luftnot begab ich mich also zum Aufzug, um mein Schicksal in die Hand zu nehmen. Unten angekommen holte ich noch einmal tief Luft und dann setzte meine Atmung gefühlte fünf Minuten aus.
Er stand ca. drei Meter vor mir und sein Anblick, sowie sein Lächeln raubten mir den Atem und gleichzeitig meinen Verstand. Ich fürchtete schon, meine Beine würden nachgeben, als er langsam wie im Zeitlupentempo auf mich zukam, leise fragte „Darf ich?", um mich ohne die Antwort abzuwarten in die Arme schloss. „Mein Schmetterling", raunte er flüsternd in mein Ohr.
Nur er hatte jemals diesen Kosenamen für mich benutzt und dass er ihn noch immer kannte und mich damit begrüßte, ließ ein Gefühl in mir aufkommen, als ob ich nach einer endlos langen Reise endlich zu Hause angekommen wäre.
Die letzten 18 Jahre liefen wie im Zeitraffer vor meinem inneren Auge vorbei und ich fragte mich ganz kurz, ob mein bisheriges Leben eine Lüge war.
Eine kleine Ewigkeit später schob er mich sanft von sich, schaute mich von oben bis unten an um dann zu bemerken „Du bist wunderschön, Schmetterling".
Mir fiel keine Antwort ein, die dieser Situation annähernd passend gewesen wäre, also schaute ich ihn nur an und sagte „Hallo Alex, schön, dass Du Zeit für mich hast". Dass das der blödeste Satz war, der je über meine Lippen gekommen ist, war mir selbst sofort klar und wurde durch das breite Grinsen von Alex untermauert.
Trotz meiner aufkommenden Panik vor dem was jetzt kommen würde, hatte ich das Gefühl, wir wären nie getrennt gewesen.
Alex hatte sich körperlich sehr verändert. Er war ein Mann geworden, nicht mehr zu vergleichen mit dem kahlköpfigen Jungen von damals. Seine Haare waren an manchen Stellen schon von einem ganz leichten Grauschimmer durchzogen und vor allem fiel mir sofort auf, dass er seine Leichtigkeit verloren hatte.
„Wir können jetzt hier stehen bleiben, oder uns etwas zu Essen suche", meinte er schon wieder grinsend, „Ich denke, wir haben uns eine Menge zu erzählen."
Er beherrschte die Situation eindeutig besser als ich, war ich doch nicht einmal sicher, ob ich mich jemals wieder von diesem Fleck rühren könnte, also stimmte ich dankbar ein.
Er hatte eine Idee hatte, wo wir ungestört einheimisches Essen bekommen würden, da ich mich aber immer noch nicht bewegte, legte er sanft eine Hand auf meinen Rücken und schob mich langsam aus dem Hotel hinaus.
Das winzige Lokal in das er mich führte, lag in einer ruhigen Seitengasse an deren Ende der beginnende Strand zu erkennen war.
Jede Menge Sinneseindrücke stürmten auf mich ein, einer davon war das warme Prickeln an der Stelle zwischen meinen Schulterblättern, an der mich Alex vorhin berührt hatte.
In dem gemütlichen Lokal wurde Alex freundschaftlich begrüßt. Mir steckte, der kleine etwas rundliche Hawaiianer, der offensichtlich Besitzer, Kellner und Koch zugleich war eine gelbe Blüte in das Haar.
In einer Nische wurden uns, ohne dass wir etwas bestellt hätten jede Menge kleine einheimische Köstlichkeiten serviert.
Und dann begannen wir zu erzählen. Jeder breitet ohne Scheu die letzten 18 Jahre seines Lebens vor dem anderen aus.
Abwechselnd redeten wir, hörten zu, lachten, schwiegen. Einmal sah ich Tränen in seinen Augen funkeln, als er davon sprach, dass sein Sohn einen schweren Unfall hatte und er es nicht schaffte, bei ihm zu sein. Auch seinen Karriere-Knick, wie er ihn nannte, als die Serie Moonlight so plötzlich abgesetzt wurde machte ihm sichtlich zu schaffen.
Ich sprach von Deutschland, von meiner Arbeit und ließ auch Ben nicht aus. Ich musste ihm von meinem Mann erzählen, wenn er schon nicht eingeweiht war, sollte wenigstens Alex von seiner Existenz wissen.
Alex hatte die ganze Zeit nicht einmal sie erwähnt, die Frau an seiner Seite. Als ich danach fragte, schüttelte er traurig den Kopf und sein Blick heftete sich an einen Punkt in weiter Ferne. „Die Medien wissen viel und sie schreiben viel, aber die Wahrheit sieht leider ganz anders aus", sprach er sehr leise, um dann zu schweigen. Erst als ich meine Hand auf seine legte, kehrte er in die Realität zurück.
Er grinste mich an, krempelte seine Jeans hoch, schob seine Schuhe achtlos unter den Tisch und nahm meine Hand. „Lass uns am Strand spazieren gehen, jetzt um diese Zeit ist er am schönsten" sagte er und zog mich mit sich.
Es war unbeschreiblich! Noch nie hatte ich Natur so erlebt. Die Luft war lau und dufte nach den vielen Blüten, die überall im dunklen zu erkennen waren. Das Meer glitzerte und hatte eine indigo-blaue Farbe, die es in keinem Katalog zu sehen gibt und der Himmel war wie ein Vorhang, bestickt mit vielen kleinen Lämpchen.
Alex lief neben mir, manchmal berührten sich unsere Hände wie zufällig oder unsere Schultern streiften sich ganz sacht. Wir hatten keinen direkten Körperkontakt und waren uns doch so nah.
Meilen schlenderten wir über den inzwischen völlig menschenleeren Strand. Unser Gespräch war wie die kleinen Wellen, die unsere Füße umspielten im Sande versickert. Ich hing in meiner Gedankenwelt fest als Alex mich fragte: „Woran denkst Du?"
„An nichts", log ich. „Gut, dann denke ich auch an nichts", sprach er und nahm lächelnd meine Hände in seine. Wir standen uns endlos lange gegenüber, irgendwann zog er mich an sich und vergrub seine Nase in meinem Haar. Mein Gesicht lag an seiner Brust und zeitgleich atmeten wir tief den Duft des anderen ein.
Später hob ich mein Gesicht und schaute in zwei Augen, die so tief waren, dass ich drin zu versinken drohte. Eine Frage stand in ihnen, die wieder von diesem leisen „Darf ich?" untermauert wurden.
Ben schob sich, wie schon so oft an diesem Abend in meine Gedanken. Er tauchte mit dem Bild auf, als er lachend mit einem riesigen Rosenstrauß in meinem Büro auftauchte, da unser Hochzeitstag war.
Aber in diesem Moment konnte ich nicht anders und wollte nicht anders.
Langsam, ganz langsam nickte ich, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen und dann nahm mich Alex mit auf eine Reise, die mich unendlich glücklich und zugleich tief traurig machte.

Der nächste Morgen ließ mich völlig verwirrt in meinem Hotelbett erwachen. Die Sonne schien mit einer Intensität in mein Zimmer, als ob sie meine Gedanken ausbrennen wollte. Ich hatte schlecht geschlafen, welch Wunder! Eintausend Bilder wechselten sich vor meinen Augen ab und mit großen Buchstaben stand unter jedem – Ab heute wird nichts mehr so sein, wie es war!
Ich bereute nichts, der letzte Abend war ein Traum, der schöner nicht hätte sein können.
Alex ... ich versank sofort in der Erinnerung. Es gab keine Scheu, wir brauchten keine Worte und es fühlte sich alles so vertraut an, wie nichts vorher in meinem Leben. Die Geborgenheit, die ich immer noch fühlte, legte sich auf jede Zelle meines Körpers, denn die Reise, die ich mit Alex erlebte, ließ sich mit nichts vergleichen, was ich bis dahin erfahren hatte.
Aber ich fühlte auch schon jetzt schmerzlich die Verletzung, die ich einem der beiden Männern meines Lebens zufügen würde und auch meine eigene.
Viel Zeit blieb mir nicht, mit Alex würde ich mich heute Abend noch einmal in dem kleinen Lokal treffen und morgen würde Ben am späten Vormittag hier auf dem Flughafen landen.
Ich saß eine Ewigkeit auf meinem Bett und starrte aus dem Fenster. Wie zum Hohn, machte sich dort draußen eine Harmonie breit, die schon fast weh tat. Ein Bilderbuchwetter wie aus dem Katalog, dazu fröhliche spielende Familien und einige Liebespärchen tummelten sich am Strand.
Völlig zerrissen war ich zu keiner Bewegung fähig, als fast zeitgleich das Ping auf meinem Laptop eine eingehende E-Mail ankündigte und es leise an der Zimmertür klopfte.
So, wie ich war schlurfte ich zur Tür. Draußen stand geschniegelt und sehr adrett der Hotelpage und drückte mir freundlich lächelnd einen Brief in die Hand. Als ich meinen Namen und einen flüchtig gemalten Schmetterling erkannte, wusste ich, wer diesen Brief geschrieben hatte.
Zu nichts weiter in der Lage, drückte ich ihn an meine Brust und schloss leise die Tür. Ein Blick auf den Laptop verriet mir, dass die Mail von Ben war.
So schnell hatte mich also die Realität eingeholt.
Noch war ich nicht soweit. Weder diesem Brief, noch der Mail von Ben wollte ich mich sofort stellen, also ging ich erst einmal unter die Dusche. Schon so oft hatte ich mit heißem Wasser meine Gedanken klären und Sorgen fortspülen können. Nicht dieses Mal. Die Bilder und die Fragen, die sich inzwischen zu einem riesigen Berg türmten, schienen immer mehr zu werden.
Ich spürte immer noch die Wärme des letzten Abends, aber gleichzeitig auch die Kälte der Verantwortung, der ich mich irgendwann stellen musste.
Nach einer Ewigkeit, in der sich zu diesen vielen Gefühlen auch noch eine grenzenlose Leere gesellte, beschloss ich, beide Nachrichten zu lesen.
Ich zog den Laptop auf das Bett und sofort grinste mich Ben vom Bildschirmschoner an.
In seiner Mail erklärte er mir wortreich, wie er es immer gern tat, dass er nicht kommen würde.
Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen, wusste er etwa...? Die Tatsache war die, dass er seinen Auftrag in Deutschland nicht abschließen konnte, die Firma gegen den Flug war, da ich ja schon alles erledigt hatte und der Urlaub ja nachgeholt werden könnte.
Es täte ihm furchtbar leid, er überlegte gerade, ob er in den Generalstreik treten solle, habe aber auch schon einen Ersatzurlaub auf den Kanarischen Inseln gebucht. Mein Rückflug war für morgen Mittag geplant.
Sein „Ich liebe Dich" hatte er wie immer in roter Farbe geschrieben und mit zwei Herzen eingerahmt.
So traurig ich plötzlich war, dass ich diese Insel schon so schnell verlassen sollte, fühlte ich auch eine gewisse Erleichterung. Die Vorstellung, dass die beiden Männer, die gerade mein Leben total auf den Kopf stellten in einer Stadt waren, erschien mir unerträglich.
Ich dachte an Ben, meinen Mann, mit dem ich schon durch so viele Höhen und Tiefen gegangen bin. Der Mann, der es seit Jahren schaffte, jeden Sonntagmorgen eine frische Rose auf den Frühstückstisch zu stellen. Nie habe ich begriffen, wie er das immer wieder hinbekam. Der Mann, der schon oft Konzertkarten aus dem Ärmel zauberte, die es eigentlich schon zu Beginn des Vorverkaufs gar nicht mehr gab. Und auch der Mann, der mich auffing, wenn der Stress über meinem Kopf zusammenzubrechen drohte und es schaffte, diesen mit einem Lächeln wegzuputzen.
„Ja Ben, ich liebe Dich auch", flüsterte ich dem Bildschirmschoner meines Laptops zu und merkte, das mir das Atmen schwerfiel und leise Tränen über meine Wangen liefen.
Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, ergriff ich den Brief von Alex. Er roch nach ihm - sicher hatte er ihn in der Brusttasche getragen - und schon wieder legte sich der Druck wie ein Gürtel auf meine Brust.
Mein Schmetterling,
es tut mir unendlich leid, aber ich muss unser Treffen heute Abend absagen. Wir fahren jetzt gleich zu einem Nachtdreh in die Berge und werden erst in zwei Tagen wieder hier sein.
Ich kann Dir gar nicht beschreiben, was Du vor 18 Jahren und gestern Abend mit mir angestellt hast.
Bitte Schmetterling, flieg nicht weiter! Verlass mich nicht noch einmal!
Alex
Schon wieder liefen Tränen über mein Gesicht und die Schrift verschwamm vor meinen Augen. Warum hatte er mir nicht persönlich Bescheid gegeben, er war ja hier im Hotel? Wollte er meine Entscheidung nicht beeinflussen?
Meine Gedanken blieben bei ihm hängen. Ich fühlte mich unendlich geborgen und endlich angekommen, als ich gestern seine Nähe genoss. Ich konnte ich selbst sein und hatte das Gefühl, dass es auch ihm so ging. Die 18 fehlenden Jahre hatten keinerlei Gewicht, es war so, als ob wir uns nie getrennt hätten. Ich dachte an seine Augen und sah mich selbst.
Wie versteinert saß ich schon wieder auf meinem Bett und inzwischen versuchte ich nicht mehr die Tränen aufzuhalten. Ich war gefangen in meinen Gedanken. Mein Spiel mit dem Feuer war zu einem Flächenbrand geworden und ich sah gerade hilflos zu, wie mein ganzes bisheriges Leben in Flammen aufging.
Ich hatte noch ca. 24 Stunden, um eine Wahl zu treffen, die Wahl, die mein Leben so oder so für immer verändern würde.
In der Tiefe meines Herzens, das wusste ich, hatte ich mich jedoch schon längst entschieden.

1. Epilog (für die Gerechten unter uns)

Acht Wochen später ...
Ich hatte mein Schicksal herausgefordert und nun befand ich mich im freien Fall.
Schon auf Hawaii war mir klar, dass ich mein Glück nicht auf dem Leid eines Dritten aufbauen konnte.
Wie sollte ich jemals wieder in den Spiegel schauen?
War ich doch leider selbst eine, die immer schnell dabei war, Menschen zu verurteilen, die ihre Gefühle nicht im Griff hatten.
Die Konsequenz, die ich tragen musste und wollte, zerriss mir das Herz und übrig blieb ein Trümmerfeld.
Noch viel schlimmer für mich war, dass ich durch mein Spiel mit dem Feuer zwei Menschen unendlich verletzt hatte, die beiden Menschen, die alles für mich waren und bereit waren, alles für mich zu geben.
Ich trennte mich von beiden!
Alex sah ich noch auf Hawaii. Nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, wollte ich Abschied nehmen von der mir in so kurzer Zeit lieb gewonnenen Insel.
Ich suchte an meinem letzten Abend das kleine Lokal auf, wollte noch einmal die schon jetzt schmerzenden Erinnerungen über mich ergehen lassen. Kaum traute ich meinen Augen, als ich dort Alex traf.
Er hatte keinen Nachtdreh und war auch nicht fort. Er hat diesen Tag genutzt, um seinen Weg für uns frei zu machen und ging einen längst fälligen Schritt. Alex trennte sich von der Insel-Schönheit, schon seit Monaten war die Beziehung in eine falsche Richtung gegangen.
Jetzt, nachdem ich so plötzlich in seinem Leben aufgetaucht war, wurde ihm klar, wonach er seit Jahren gesucht hat. Er wollte mich am folgenden Tag bitten, für immer auf Hawaii, bei ihm zu bleiben.
Wenn ich nur an seine Augen denke, die mich anschauten als ihm meine Entscheidung klar wurde, kommen mir noch heute die Tränen.
Ich werde seinen letzten Satz nie wieder vergessen: „Warum Schmetterling?"
Auch Bens Welt wurde aus den Angeln gerissen. Er wusste ja nicht einmal von Alex' Existenz.
Es gab keine schonenden Erklärungen, die Wahrheit konnte ich nicht verpacken. Auch er fragte nach dem Warum, verstand mich und die Welt nicht mehr. Die Kränkung und das Unverstehen saßen so tief, dass er nicht einen Versuch unternahm, unsere Ehe zu retten. Ich hatte es ja auch gar nicht verdient.
Da wir beide es nicht ertragen hätten, weiter an einem Schreibtisch zu arbeiten und gemeinsame Projekte zu betreuen, kündigte ich meinen Job.
Im Moment bin ich dabei, mir in einer anderen Stadt eine kleine Wohnung einzurichten und mich in einer neuen Arbeitsstelle einzuleben.
Kontakt hatte ich seit dem weder zu Alex, noch zu Ben.
Warum Schmetterling?
Ich falle immer noch!
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
 2. Epilog (für die Ben-Fraktion)

Acht Wochen später...
Natürlich bin ich zu Ben zurückgekehrt. Ben war die Realität, Alex und Hawaii waren ein – mein Traum.
Es zerriss mir das Herz, Alex Lebewohl zu sagen. Nie wieder werde ich seine Augen vergessen, als ich ihm sagte, dass ich nicht bleiben werde und auch nie zurückkehren würde.
Er war extra vom Nachtdreh früher nach Honolulu zurückgekehrt und stand am nächsten Morgen völlig verdreckt aber glücklich lachend vor meiner Zimmertür.
Seine fast unhörbar gehauchte Frage „Warum Schmetterling?", höre ich jeden Abend, wenn ich die Augen schließe und jedes Mal wieder schleicht sich eine Kälte in mein Herz, die es fast einfrieren lässt.
Ich versuche mir immer wieder einzureden, dass es mit uns nie funktioniert hätte. Unsere Welten in denen wir lebten, konnten unterschiedlicher nicht sein, außerdem war ja da noch die Frau an seiner Seite. Durch die Medien hatte ich erfahren, dass sie sogar ein Baby erwarten, was hatte Alex mir verschwiegen?
Immer noch war ich versucht, alles über ihn in Erfahrung zu bringen, aber es tat so unendlich weh, seine traurigen Augen auf dem Bildschirm zu sehen. Ich hatte das Gefühl, ihm geht es schlecht und seine Auftritte, bei denen er Fröhlichkeit zeigte, waren gestellt.
Versprochen hatte ich ihm, genauso schnell wieder aus seinem Leben zu verschwinden, wie ich eingefallen war. Was hatte ich ihm nur angetan oder war es vielleicht doch gut für ihn, dass er sein Leben ohne mich weiterleben konnte? Erfahren würde ich es nie.
Mir fehlte die Geborgenheit, die ich nur bei ihm fühlte, die Wärme und das wortlose Verstehen, seine Augen, in denen ich mich wiederfand, sein Geruch, einfach alles, was nur er in mir auszulösen vermochte.
Bis jetzt habe ich es nicht geschafft, Ben von Alex zu erzählen. Ich habe diesen einen Abend auf Hawaii in meinem Herzen eingeschlossen und würde ihn dort wohl verwahren. Ich weiß genau, dass ich nie wieder mit dem Feuer spielen werde und vielleicht kommt der Tag, an dem ich Ben alles beichten werde.
Wie ich ihn kenne, wird er kein Problem damit haben, mir zu verzeihen und vielleicht rede ich gerade deswegen nicht mit ihm darüber.
Der alltägliche Umgang mit ihm fällt mir immer noch schwer, zu sehr ist Alex noch in meinen Gedanken. Meine anfängliche Verwirrtheit und Traurigkeit schob ich glaubhaft auf den Jetlag, inzwischen gelingt es mir aber immer besser, mich wieder ganz auf Ben einzulassen. Er hat es verdient.
Ob er etwas gespürt hat kann ich nicht sicher sagen, wenn dann ließ er es sich nie anmerken.
Ich liebe ihn immer noch, daran zweifele ich nicht. 
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ 
3. Epilog (für alle, die an Märchen glauben)

Acht Wochen später ...
Ich bin nach Deutschland zurückgekehrt, aber ich werde in wenigen Tagen nach Hawaii fliegen, um mit 18-jähriger Verspätung mein Leben mit Alex zu beginnen.
Diese Entscheidung, Ben zu verlassen und unseren gemeinsamen Weg abzubrechen lastet schwer auf mir und oft genug hege ich Zweifel.
Ben ist ein guter Mensch, war ein sehr guter Ehemann und er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Trotzdem wäre es eine Lüge, bei ihm zu bleiben. Das wurde mir schon nach den wenigen Stunden klar, die ich vor acht Wochen mit Alex verbracht hatte.
Das Gefühl, welches ich in Alex' Gegenwart spürte, habe ich so nie bei Ben erlebt. Erst in Alex' Armen wurde mir bewusst, dass ich nie in meinem Leben angekommen war, dass ich immer auf der Suche war und dass meine Zweifel an der großen Liebe zu Ben berechtigt waren.
So kitschig es klingt, der Blick in Alex' Augen hat mir den Weg gewiesen.
Ben die Wahrheit zu beichten und die Trennung einzuleiten, raubte mir all meine Kraft und meinen Glauben an die Gerechtigkeit. Er tat mir so unendlich leid, da er die Welt nicht mehr verstand. Ich war ja schließlich vom ersten Tag an seine große Liebe gewesen und jetzt fühlte ich mich unsagbar schlecht. Aber wäre es aber besser, unglücklich an seiner Seite zu leben und ihm Liebe vorzugaukeln, die ich ihm nicht mehr geben konnte?
Manchmal schleicht sich der Gedanke ein, dass wir nicht grundlos ohne Kind geblieben waren.
Er schaffte es - ganz Ben - dankbar für meine Ehrlichkeit zu sein und brachte es sogar übers Herz, mir Glück zu wünschen. Hoffentlich fühlt er sich nicht wie ein Verlierer und bekommt auch seine Chance auf das ganz große Glück. Ich wünschte es ihm von ganzen Herzen und würde es sicher auch erfahren, da wir beschlossen hatten, in Verbindung zu bleiben.
Vielleicht würden wir ja irgendwann sogar Freunde sein können? Ich wünsche es mir.
Nach meinem Fast-Zusammenbruch im Hotel auf Hawaii, sah ich Alex schneller wieder, als sein Brief versprach.
Er schaffte es wohl einfach nicht am Dreh teilzunehmen und ich habe bis heute nicht wirklich erfahren, was er der Produktionsleitung für eine Ausrede auftischte, um in Honolulu bleiben zu können.
Mir erzählte er, er hat gespürt, wenn er am Abend nicht bei mir wäre, würde er mich für immer verlieren, wusste er zu dieser Zeit ja nicht, dass ich mich bereits entschieden hatte, Ben zu verlassen.
Also hatte er beschlossen, an diesem Tag sein eigenes Drehbuch für einen Startversuch in ein gemeinsames Leben mit mir zu schreiben.
Vier Stunden, nachdem ich seinen Brief erhalten hatte, klopfte der Page erneut an meine Tür und bat darum, mich um 20.00 Uhr abholen zu dürfen. Die Frage nach dem Warum und Wohin wurde wortlos ignoriert.
Meine Entscheidung war getroffen, aber das Wechselbad meiner Gefühle tobte in mir einen erbitterten Kampf, was dazu führte, dass ich mein Zimmer heute nicht mehr verlassen wollte.
Inzwischen war ich zu einer auf dem Bett sitzenden Statue erstarrt. Die Tränen liefen mir immer noch über das Gesicht und ich nahm nur am Rande das wechselnd Bild vor dem Fenster zur Kenntnis.
Inzwischen wich das strahlende Blau des Himmels einem Sonnenuntergang, dessen Schönheit ich gern genossen hätte. Das Spiel der Farben, die leicht schwankenden Palmen und der inzwischen fast menschenleer Strand schienen fast unwirklich.
Erst das hartnäckige Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken, die zwischen Alex, Ben und der Wahrheit, der ich mich nun stellen musste hin und her flogen.
Die Bitte, um 20.00 Uhr abholbereit zu sein, hatte ich völlig vergessen. Nur der herzerweichende Blick des alten Mannes und sein geschnurrtes „Please Madam", schafften es, mich aus meiner Starre zu lösen und an seiner Seite mein Zimmer zu verlassen.
Wenig später fand ich mich am Strand wieder. Der Ort, an dem vor 24 Stunden die Weichen für mein weiteres Leben gestellt wurden.
Der alte Mann führte mich zu einer riesigen Schachtel, die in einem Blütenmeer stand und umrahmt wurde von unzähligen Kerzen, welche sich wiederum im Meer spiegelten. Der Anblick raubte mir den Atem, obwohl ich nicht wusste, was das alles zu bedeuten hatte.
Bedächtig schritt der Page weiter und hob langsam den Deckel.
Unzählige bunte Schmetterlinge flatterten lautlos in den blauen Abendhimmel. Sprachlos und in diesem Moment unendlich glücklich schaute ich diesem Schauspiel zu, als ich hinter mir eine leise, heisere Stimme vernahm: „Tausend Schmetterlinge können fliegen, wohin sie wollen, aber einen werde ich nie wieder loslassen."
In diesem Moment wusste ich, ich bin zu Hause angekommen.

 

 






Kommentar zu dieser Seite hinzufügen:
Dein Name:
Deine Nachricht: