Alex O`Loughlin German FanClub
  Untie these hands
 
Untie these hands by annelien (thank you)


Prolog I
It feels just like I am running. Running away the whole time. But I am stuck on the same place. Always. Really stuck. Maybe when I close my eyes, the pain will be more and more less and vanish at the end.
No, it doesn´t work. How could I ever thought it would? I will stay here. My whole life. Like the last three years. As his slave. There´s no other word for it. That´s all I was. During the last... I don´t know. Months? Days? Years? That´s all I´ll stay.
I just stopped counting the days. And I gave up all my hope. It´s just my life.
Life... Can anyone call this a life?
If I would get one chance... Only one. I would run. Run away.
From HIM.
***
I cannot believe I did it. I am no more with him any longer.
But I know – when he will ever find me, my life will end. That´s why he never should. But how far is far away? How far do I have to run? He´ll never forget me. He´ll never give up on me. I know him. I will never be safe again.
Just looking around. No, there´s no-one. Nobody who´s looking after me. Or staring. I am really by myself.
I really hope it will last. I am free, but I´m still running. Is this really freedom?
Damn! Why can´t I watch out?
„Sorry“, I whisper and taking my bag.
And then I look into this mans eyes. Damn! This is he! He. He, who took me alive all the time. I wish he would be all these figures he plays in one person. I really wish.
„Are you okay?“ he asks.
His voice. It sounds like an angel. Oh, I really wish he would be my angel. Or better: my vampire...
„Could you just turn me into a vampire right now?“ I hear myself asking.
This is not true, right? I didn´t ask this right now. Did I?
Yes, of course, I did. I see this look in his eyes.
No, I am not a crazy person. I am just... just me.
„Sorry“, I whisper again. And then I take my bag and continue running away. Yes, that´s my life now. Only running.
As far as I can.


Prolog II
Er stieg aus dem Flugzeug, griff nach seinem Koffer und ging langsam in Richtung Ausgang. Endlich Urlaub. Endlich nach Hause kommen und im eigenen Bett schlafen. Darauf freute er sich. Einen Monat nur für sich. Das hatte er sich verdient.
„Sorry!“ Und es wäre schneller gegangen, wenn diese Person nicht gerade in ihn hinein gerannt wäre.
„Alles okay?“ erkundigte er sich, als sie hektisch ihre Tasche aufhob.
Wum! Sie sah ihn an. Und sein Herz machte einen Sprung. Ihre Augen waren... unglaublich. Ja, dieses Wort sollte es beschreiben. Blau wie das Meer. Er fühlte sich sofort zu Hause. Zu Hause.
Bei ihr?
„Könnten Sie mich in einen Vampir verwandeln? Jetzt? Hier?“ hörte er sie fragen. Ihre Stimme war die eines Engels. Aber ihre Worte... WAS hatte sie gerade gefragt? Ob er sie in einen Vampir verwandeln könnte? Sie sah so normal aus. Und war doch verrückter als seine normalen Fans. Jedenfalls musste sie ihn erkannt haben.

Aber irgendetwas in seinem Inneren sagte ihm, dass sie normal war. Sie war kein Fan. Nicht in der Art. Das sagten ihre Augen.
Doch ehe er reagieren konnte, griff sie hektisch nach ihrer Tasche, entschuldigte sich noch einmal und lief schon davon.
Und er fragte sich, wovor sie davon lief. Denn sie rannte.
Und er würde sie sicher nie wieder sehen. Also worüber nachdenken?
Er griff wieder nach seiner Tasche und machte sich nun auf den Heimweg. Wieso ging diese fremde Frau ihm nur nicht mehr aus dem Kopf?

1. Emilio 
Ja, drei Jahre. Drei Jahre ist es nun her. Seitdem ich mit ihm gegangen bin. Seitdem ich von dieser Welt verschwunden bin.
Ich habe heute Geburtstag. Sonst wüsste ich gar nicht, dass es schon drei Jahre sind. Drei Jahre in Gefangenschaft. Dabei fing es doch so schön an.
Ich habe Emilio vor vier Jahren kennen gelernt. An meinem siebenundzwanzigsten Geburtstag. Er war älter als ich – ganze dreizehn Jahre. Anfangs hielt ich ihn auf Abstand. Fand ihn mehr als Vaterfigur. Doch Emilio machte seine Sache sehr gut. Er war sehr nett. Heute weiß ich, dass zu nett einfach nur gefährlich ist.

Emilio besuchte mich jeden Tag. Er holte mich morgens zur Arbeit ab. Brachte mich abends nach Hause. Und mittags lud er mich zum Essen ein. Er machte mir Geschenke. Brachte mir Blumen. Ich dachte, er wäre perfekt. Doch ich hätte auf die Alarmglocken in meinem Kopf hören sollen. Und auf das leise Grummeln in meinem Bauch.
Aber ich genoss es einfach begehrt zu werden. Niemals zuvor hat sich ein Mann so für mich ins Zeug gelegt. Emilio war der erste, der mich auf Händen trug. Und so ließ ich ihn in mein Herz.
Das war mein größter Fehler.

An meinem achtundzwanzigsten Geburtstag lud er mich zu sich nach Hause ein. Ich war vorher nie da gewesen. Er holte mich ab. Mit seiner Limousine. Ich hatte mir extra ein neues Kleid gekauft. Hatte mich für den Abend hübsch gemacht. Emilio strahlte über das ganze Gesicht, als er mich abgeholt hatte.
Vielleicht hätte ich es kommen sehen müssen.
Er schenkte mir eine Perlenkette. Und ich habe die Warnung meiner Mutter in den Wind geschlagen: „Lass dir niemals Perlen schenken“, hatte sie immer gesagt, als sie noch gelebt hat. „Perlen bringen nur Tränen mit sich.“
Und genau so ist es gewesen.

Ich war total beeindruckt. Sein Haus lag abgelegen. Wir fuhren eine lange Auffahrt hinauf. Überall waren Bäume. Und dann kam das Haus... Nein, es war eher ein Schloss. Auf einem kleinen Hügel. Von außen konnte niemand auch nur ahnen was hier für ein Palast stand. Ich hätte es auch nicht. Ich war völlig überwältigt.
Ja, ich wusste mittlerweile, dass Emilio Geld hatte. Er hat immer unsere Essen bezahlt. War beim Shoppen mehr als nur großzügig gewesen. Doch das hier? Das hätte ich nie zu träumen gewagt.
Er führte mich hinein. In sein Zuhause. Ich hätte die Kälte in den Mauern spüren müssen. Doch ich tat es nicht. Ich ignorierte die Gänsehaut, die über meinen Körper lief.

Allein der Eingangsbereich war größer als meine Wohnung. Emilio führte mich umher, dann landeten wir im Esszimmer. An einer langen Tafel hatte er für uns eindecken lassen. Gott, ich fühlte mich geschmeichelt. Es war wie im Film.
Wir aßen, und ich bemerkte Emilios hinterhältiges Lächeln nicht. Wollte es vielleicht auch nicht merken. Er goss mir von dem leckeren Wein nach.
Und dann erinnere ich mich an nichts mehr. Ich weiß noch, dass ich müde wurde. Als ich aufwachte, fand ich mich in einem Gewölbe wieder. Mir war sofort eiskalt.
War das nicht dieselbe Kälte, die ich beim Eintreten gespürt hatte?
Ich war total verwirrt.

Ich sah mich in dem Zimmer um. Es wirkte wie... Ängstlich lief ich zum Fenster. Dieses ganze Zimmer war irgendwie... rund? Ich erinnerte mich jetzt an den kleinen Turm auf der linken Seite des Hauses. Hatte Emilio mich hierher gebracht? Wozu?
Ich verstand gar nichts. Und lief zur Tür. Doch die war abgeschlossen.
Panisch hämmerte ich mit meinen Fäusten dagegen. Wieso war ich hier? Was hatte Emilio mit mir vor? Was tat er mir an?

Doch niemand kam. Ich blieb allein. Eingesperrt. In einem Turm. Wenn ich nicht so panische Angst hätte, wäre die Vorstellung Rapunzel zu spielen vielleicht lustig gewesen. Aber das war es nicht.
Ich weiß nicht, wie viele Tage ich allein war. Ich versuchte immer gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Doch sie gewann am Ende immer die Oberhand. Und wenn ich erwachte, stand ein Tablett mit Essen auf dem Tisch mitten im Zimmer.
Eigentlich bestand dieses Zimmer nur aus dem riesigen Bett, dem Tisch und einem Stuhl. Ich war total verzweifelt. Wusste nicht, was auf mich zukommen würde.
 

2. In Gefangenschaft
Ich weiß nicht, wie lange ich allein war. Als Emilio zu mir kam. Er erzählte mir, dass es nur drei Tage waren. Reichen drei Tage, um einen Menschen zu brechen?
Ich war total erleichtert, als ich ihn das erste Mal wieder sah. Daran erinnere ich mich noch. Doch diese Erleichterung wich sofort der Angst. Als ich in seine Augen sah.
„Wirst du eine brave Frau sein, Catherine?“ hörte ich ihn fragen.
Wie meinte er das.
„Wirst du eine brave Frau sein, Catherine?“ wiederholte Emilio mit zuckersüßer Stimme. Also nickte ich. Was auch sonst? Ich hatte doch bisher nichts getan.

„Ich liebe dich, Catherine“, hörte ich Emilio sagen.
Ja, ich liebte ihn auch. Dachte ich. Oder nicht?
„Ich möchte, dass du bei mir bleibst“, waren seine weiteren Worte.
„Wann kann ich nach Hause?“ wollte ich wissen. Meine Stimme zitterte.
„Du bist zu Hause“, hatte Emilio mir geantwortet.
Und genauso war es dann auch. Ich blieb. Erst in diesem Turm. Wenn Emilio der Meinung war, dass ich mich gut benommen hatte, bekam ich Sachen geschenkt. Erst einen Kleiderschrank. Dann ein Regal mit Büchern. Irgendwann stand ein kleines Radio in meinem Zimmer. Und zum Schluss ein Fernseher. Das war das letzte Jahr.

Ich weiß nicht, wann er mir gestattete, dieses Zimmer endlich zu verlassen. Emilio rührte mich nie an. Er war nie gewalttätig. Bis zu jenem Nachmittag.
Inzwischen gestattete er mir ins Haus zu gehen. Ich durfte kochen, meine Wäsche selber waschen. Ja, ich durfte mich in seinem Haus bewegen. Aber niemals außerhalb. Alle Fenster und Türen waren stets geschlossen. Und selbst wenn ich es versucht und geschrien hätte, niemand hätte mich hier gehört.

Und dann kam der Nachmittag. Der Tag, an dem ich ein Telefon in seinem Arbeitszimmer fand. Ich wusste nicht, wo sich Emilio in diesem Moment aufhielt. Und ich war unvorsichtig. Ich hatte nicht nachgedacht. Ich konnte zwar Radio hören und fernsehen – aber eingeschränkt. Ich weiß nicht, wie Emilio das machte, aber ich bekam nur bestimmtes zu sehen. Und zu hören.
Jedenfalls hielt ich das Telefon in der Hand. Und meine Finger wählten wie von selbst die Nummer meines Chefs. Ich kannte sonst niemanden in der Stadt. Meine Eltern waren verstorben. Familie hatte ich kein mehr. Und ich war neu in der Stadt. Und hatte keine Zeit um Freunde zu finden. Denn ich lernte ja Emilio kennen. Und der nahm mich völlig in Beschlag.

„Hallo? Wer ist denn da?“ hörte ich meinen Chef fragen.
„Ich bin es, Kate“, hörte ich mich flüstern.
„Kate? Oh mein Gott, wo sind Sie? Wir dachten, Sie wären tot“, hörte ich seine entsetzte Stimme. „Wo sind Sie?“
„Ich...“, konnte ich gerade noch sagen, dann wurde mir das Telefon aus der Hand gerissen. Ich spürte noch die Hand an meiner Wange, dann landete ich auf dem Boden. Mein Mund war voller Blut. Und ich hustete.
Ich sah auf. Blickte in Emilios hasserfülltes Gesicht.
„Tu... das... nie... wieder“, schrie er mich an. Dann flog das Telefon an die Wand. Und im nächsten Moment betrat ein weiterer Mann das Zimmer.
„Lass uns allein!“ herrschte Emilio ihn jedoch sofort an. Und er ging wieder.
Wer war das denn?

Später erfuhr ich, dass dieser Mann Christian hieß. Und er sollte noch sehr wichtig für mich werden.
Emilio sperrte mich wieder in den Turm. Ich fühlte mich... ja, wie im Mittelalter. Und ich fragte mich immer mehr, wieso ich ihm auf den Leim gegangen war.
Doch es half nichts. Ich war... Emilios Sklavin. Denn von diesem Tag an wurde es meine Aufgabe, sein Haus in Ordnung zu halten. Ich musste sein Essen kochen. Und ich lernte nach und nach, was ich machen musste, damit er nicht sauer wurde.
Irgendwann kam dann der Tag. An dem Emilio mehr wollte. Mehr, als ich bereit war zu geben. Ich versuchte mich an den Emilio zu erinnern, dem ich mein Herz geschenkt hatte – doch es funktionierte nicht. Und trotzdem ließ ich ihn gewähren.

Ich schloss meine Augen. Träumte mich in eine andere Welt.
In eine Welt, die ich mir im Fernsehen ansehen durfte. In den wenigen Stunden, die ich für mich allein hatte. Es waren tolle Serien: „Moonlight“, „Three Rivers“ und „Hawaii 5-0“. Mnachmal, wenn ich die Augen ganz fest schloss und mein Herz und die Gedanken abschaltete, träumte ich von ihm. Ich wünschte, er würde all das sein, was er in den Serien verkörperte: der Vampir, der Arzt und der Retter – alles in einem. Und ich wünschte, er würde mich retten.
Doch er kam nie.

 
Ich hatte nur Christian...

3. Die Flucht 
Christian war immer in meiner Nähe. Er musste es sein. Anweisung von Emilio. Ich bemerkte Christian zum ersten Mal an diesem Tag. An dem Tag im Arbeitszimmer.
Und von da an zeigte er sich immer öfter in meiner Nähe.
Eigenartigerweise mochte ich Christian. Irgendwann begannen wir ein paar Worte miteinander zu wechseln.
Und daraus wurde mehr. Nein, keine Liebe. Christian wurde der große Bruder, den ich nie hatte. Er war für mich da.
Oft genug hielt er mich fest, wenn Emilio aus dem Haus war und davor seine Wut an mir ausgelassen hatte. Wie viele blaue Flecken ich in der ganzen Zeit hatte? Wie viele blaue Augen? Wie oft meine Lippen aufgeplatzt waren? Ich habe es nicht gezählt.

Christian wusste von meinem Leid. Doch auch er konnte nichts tun. Er wurde bezahlt. Von Emilio. Und er erzählte mir von Emilio.
Ich hätte nie gedacht, dass es solche Monster wirklich auf dieser Welt gab. Aber Christian belehrte mich eines besseren. Emilio war ein Monster. Und ich war nicht die erste, die er hier gefangen hielt. Christian erzählte mir nie, was mit den anderen passiert war. Aber ich habe einen eigenen Kopf zum Denken.
Ich wusste, dass es sie nicht mehr gab.
Und dieses Wissen machte es nur noch schlimmer.

Irgendwann wurde ich eine Art Geist. Ich funktionierte nur noch. Machte alles, damit Emilio zufrieden war. Und wenn er zu mir kam, verließ ich meinen Körper. Ich hätte das alles sonst wohl nicht ertragen.
Ich bemerkte, dass Christian unglücklich mit meiner Verwandlung wurde. Doch ich konnte nichts anderes tun. Sonst hätte ich mir etwas angetan. Oft genug habe ich darüber nachgedacht. Doch wem hätte ich damit einen Gefallen getan?
„Ich werde dir helfen“, hatte Christian mich eines Tages in mein Badezimmer gezerrt.
Ich habe ihn total erschrocken mit aufgerissenen Augen angesehen.
„Ich bringe dich hier raus“, flüsterte er weiter. „Aber du musst mir versprechen, dass er dich nie finden wird.“
Ich nickte. War kaum in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

Ich würde hier rauskommen. Mit Christians Hilfe.
Wir bereiteten die Flucht vor. Meine Flucht. An einem Tag, an dem Emilio geschäftlich außerhalb zu tun hatte. Er war öfter tagelang unterwegs. Für mich eine gute Zeit. Niemand kam mir zu nahe.
Und dieses Mal sollte er sich zum letzten Mal von mir verabschieden. In derselben Nacht fuhr Christian den Wagen vor. Ich kletterte hinter die Vordersitze auf den Boden und bekam eine Decke über mich gelegt. Christian drückte mir ein Bündel Geldscheine und einen Rucksack in die Hand.
Was ich nicht verstand. Doch verstehen sollte.

Er fuhr mit mir auf der Straße entlang, die vom Grundstück führte. Ich weiß noch, wie viel Angst ich hatte. Mein Herz klopfte so schnell und laut, dass ich Angst hatte, jemand würde es kilometerweit hören.
„Wo fährst du hin, Christian?“ hörte ich plötzlich eine zu vertraute Stimme, als Christian nach einer Weile am Straßenrand hielt.
„Ich soll für Kate noch Gewürze fürs Essen besorgen“, hörte ich Christian antworten.
„Und wer passt auf sie auf?“ hörte ich Emilio fragen.
Ich hatte solche Angst, dass er mich entdecken würde.
„Ricardo und Stefan stehen vor dem Tor“, antwortete Christian.
„Du magst Catherine, oder?“ fragte Emilio.
„Wer würde sie nicht mögen?“ hatte Christian mit einer Gegenfrage geantwortet.

„Das war ein Fehler, Christian“, sagte Emilio und seine Stimme klang eiskalt.
Und dann hörte ich einen Knall. Es war ein Schuss. Ich biss mir in meine Hand, damit ich nicht los schrie. Und Emilio mich noch entdecken würde.
Ich hörte Schritte, die sich entfernten. Ein Motor, der gestartet wurde. Und ein Auto, das davon fuhr.
Langsam hob ich die Decke und spähte aus dem Fenster. Es wurde dunkel, niemand war zu sehen. Dann sah ich nach vorn. Christian lag auf dem Beifahrersitz und stöhnte leise. Aus seinem Bauch sickerte Blut.
„Oh Gott, Christian!“ rief ich erschrocken bei seinem Anblick aus.
„Kate, lauf!“ flüsterte Christian mir zu und hustete. Blut floss aus seinem Mund.
„Ich kann dich nicht hier lassen“, sagte ich.

„Geh“, sagte Christian mit letzter Kraft. „Er kommt zurück. Lauf! Lebe, Kate!“
Unsere Blicke begegneten sich. In diesem Moment erkannte ich, dass er das in Kauf genommen hatte. Dass er sein Leben verlieren würde. Für mich. Für meine Freiheit. Christian war für mich gestorben. Oder starb gerade. In meinen Armen.
„Danke“, legte ich meine Hand in seine.
„Lauf“, sagte er noch einmal, drückte meine Hand – und sackte in sich zusammen. Seine Augen schlossen sich. Er ließ meine Hand los. Mein Freund, mein Bruder – Christian war tot. Ich hatte in diesem Moment nichts mehr.
Ich sah Lichter die Straße entlang kommen. Noch weit entfernt. Aber sie kamen schnell näher. Ich griff nach dem Rucksack, öffnete die Autotür und lief. In den Wald. Ich lief. Und drehte mich nicht um.

Ich weiß nicht, was hinter mir passierte. Ich hörte nur noch diesen Schrei. Diesen unmenschlichen Schrei. Und ich wusste, dass es Emilio war.
Der entdeckt hatte, dass ich fort war.
Und ich wusste von diesem Moment an, dass er mich suchen würde. Und wenn es ihm gelingen würde mich zu finden, würde ich genauso enden wie Christian.
Ich spürte die Tränen in meine Augen treten. Mein Bruder war tot. Ich hatte wieder niemanden mehr. Und er war für mich gestorben. Für mich.
Für mein Leben.

4. In Angst
In den ersten Stunden bin ich nur gelaufen. Ich konnte nicht stehen bleiben. Nicht darauf warten, dass er mich finden würde. Emilio. Ich hatte solche Angst. Ich war so müde. So unendlich fertig. Christian sah ich in jeder Sekunde vor mir. Liegend. Im Auto. Ich konnte nicht fassen, dass er gestorben war. Dass er für mich gestorben war.
Im Rucksack war etwas zum Trinken, Essen, ein paar Sachen von mir - aus meiner Wohnung. Wo er die her hatte? Keine Ahnung. Ich werde es wahrscheinlich nie erfahren. Und ich kann dorthin auch nicht zurück. Emilio würde mich sofort finden.

Als ich auf in einer Stadt ankam, machte ich Rast. Zum ersten Mal. Auf einer Toilette in einem Schnellrestaurant. Ich schloss mich ein. Und kam jetzt erst zum Nachdenken. Dicke heiße Tränen liefen über meine Wangen. Christian war tot. Ich war allein.
Doch ohne ihn wäre ich immer noch gefangen.
Als ich mich wieder beruhigt hatte, durchsuchte ich den Rucksack. Und fand zwei Adressen. Die eine mit dem Hinweis: „Ausweis“ und den anderen mit: „im Notfall“. Also beschloss ich zu der Adresse zu gehen, die den Hinweis „Ausweis“ hatte. Und fand mich in einem total herunter gekommenen Haus wieder. Mit einem äußerst schmierigen Typen, der mich anstarrte.
„Was willst du?“ fragte er.

„Christian schickt mich“, sagte ich nur. Von dem Moment an, als ich seinen Namen erwähnte, änderte sich seine Haltung mir gegenüber und in weniger als einer Stunde hielt ich neue Ausweise in meiner Hand. Er hatte meinen Namen ändern wollen, doch ich wollte meinen Vornamen behalten. Das war ich mir selbst schuldig. Meine Haarfarbe war von blond in ein dunkles Braun verwandelt worden.
Ich zahlte den Mann und beschloss im nächsten Moment den Flughafen aufzusuchen. Ich würde weg fliegen. Weit weg. Raus aus dieser Stadt. Aus diesem Staat. Nach Los Angeles. Auf in die Stadt der Engel. Ich war mich sicher, dort konnte ich ein neues Leben beginnen. Auf der anderen Seite des Landes. Und hoffte, dass mich Emilio dort nie finden würde.
Der Flug war schnell gebucht. Ich hatte meine Haare hochgebunden und eine Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. In einem Motelzimmer am Flughafen hatte ich schnell geduscht und war sofort wieder aufgebrochen.

Dann saß ich im Flieger. Ich drückte mich ans Fenster. War so froh, dass der Platz neben mir leer blieb. Bei jeder Bewegung um mich herum zuckte ich zusammen. Aber niemals war es Emilio. Ich war entkommen.
Und hoffte, dass er mich nie finden würde. Zutrauen würde ich ihm mittlerweile alles. Ich weiß nicht, wo Emilio seine Finger überall im Spiel hat. Und ich will es auch gar nicht wissen. Ich will einfach nur weg.
Das Flugzeug hob ab und ich griff erneut nach dem Rucksack.
Unten am Boden war noch ein Fach, das ich bisher außer Acht gelassen hatte. Doch nun öffnete ich es.
„Ich hoffe, du findest deinen Retter bald“, stand auf einem weißen Blatt. „Christian.“ Ich zwinkerte die Tränen weg. Dann drehte ich das Blatt um. Und musste lächeln.

Christian hatte mir eine Fotocollage gemacht. Mit Bildern von den Serien, die ich immer angesehen habe. Oft mit ihm zusammen. Ja, das waren die Abende, an denen Emilio nicht da gewesen war. Es tat gut Christian zu haben. Wir haben immer über die Folgen geredet. Und Christian hatte die Sehnsucht in meinen Augen entdeckt. Nach einem Retter.
Dabei ist er mein Retter gewesen.
Ich betrachtete die kleinen Bilder. Der Arzt. Der Vampir. Der Cop. Ja, das hier erinnerte mich an Christian. Und es ist das letzte, was ich von ihm habe.
Vorsichtig steckte ich das Bild zurück.

Am Flughafen machte ich eine Bewegung aus. Ich weiß nicht, was mich beunruhigte, nachdem ich das Flugzeug verlassen hatte. Ich war in einer anderen Stadt. Weit weg. Und trotzdem war ich nicht sicher. Nicht frei.
Trotzdem musste ich noch laufen. Und durch diesen verwirrten Moment stieß ich mit jemandem zusammen.

GEGENWART:
Verdammt! Ich muss einfach vorsichtiger sein.
„Sorry“, murmle ich und suche hastig meine Tasche. Ein paar Sachen sind aus der Seitentasche gefallen. Schnell raffe ich alles zusammen.
Dann sehe ich auf.
Oh mein Gott! Diese Augen. Ich würde sie überall erkennen. Diese Augen waren es, die mich alles haben verdrängen lassen, wenn Emilio bei mir war. Das ist nicht wirklich wahr, oder? Er steht vor mir? Wirklich?
Wieso ist er nicht wirklich ein Vampir? Er könnte mich zu einem machen und ich bräuchte endlich keine Angst mehr vor Emilio zu haben. Ich wäre stärker.

„Könnten Sie mich in einen Vampir verwandeln? Jetzt? Hier?“ höre ich mich dann auch schon fragen. Oh Gott! Das habe ich nicht wirklich ausgesprochen, oder? Doch, scheinbar schon. Ich sehe es in seinen Augen. Er denkt jetzt sicher, ich bin verrückt. Aber das bin ich nicht. Ich bin einfach nur... ich. Nein, ich muss mich erst einmal wieder selbst finden.
Und das ohne ihn.
So schön die Vorstellung für eine Sekunde auch ist. Ich habe das Gefühl, er raubt mir den Atem. Er kann nicht vor mir stehen. Nicht einfach so.
„Sorry“, sage ich noch einmal, schnappe den Rucksack und laufe davon.
Ja, das wird jetzt mein Leben. Ich werde laufen. Mich immer umsehen müssen.
Ob das irgendwann wieder aufhört?


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